Diakonie Magazin 2019/Nr.2 herunterladen

Sie sorgen dafür, dass den Bewohnern und Bewohnerinnen der Seniorenheime der Diakonie Erlangen nicht langweilig wird.

Sie leiten Veranstaltungen und Gruppenangebote, hören zu, machen Mut, aktivieren, trösten und sorgen für Freude und Bewegung: die Mitarbeitenden des »Begleitenden Dienstes«.

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Mit Power und viel Gefühl Anna Thiel

Unter den rund 360 Gästen befanden sich auch die SPD-Landtagsabgeordnete Alexandra Hiersemann, Dekan Peter Huschke, Bezirksrätin Alexandra Wunderlich und Stadträtin Gisela Niclas sowie die Bezirksstellenleiterin der Diakonie Erlangen Sabine Hornung und die Vorstandsmitglieder Pfarrer Matthias Ewelt und Gabi Rubenbauer. Matthias Ewelt bedankte sich in der Begrüßungsrede bei all jenen, die die Arbeit der Diakonie mit ihrem vielseitigen Engagement unterstützen. Mit dem Gedicht »Die Schale der Liebe« erinnerte er an die Notwendigkeit der Selbstfürsorge neben dem beherzten Einsatz für andere.

Matthias Ewelt

Pfarrer und Vorstandssprecher der Diakonie Erlangen.

Für eine geballte Ladung an Power und Gefühl sorgte am Nachmittag die Band SATCHO. Das Konzert bestach durch das Zusammenspiel von Nachdenklichkeit und Heiterkeit, Ernsthaftigkeit und Ausgelassenheit, Melancholie und Swing – und vor allem durch viel Herz. Christa Bommers (Gesang), Susanne Eidt (Saxophon, Querflöte und Gesang), Michael Helmbrecht (Gitarre), Rudi Endres (Bass), Thomas Metz (Geige) und Tschuppi Meyer-Wanke (Gitarre) brennen spürbar für ihre Musik, die Swing und französische Chansons mit Klängen der osteuropäischen Musik verbindet.

v.l. Michael Helmbrecht, Christa Bommers und Rudi Endres

von der Band SATCHO.

Sie spielten Stücke wie »What a wonderful world«, das von der Schönheit der Welt und von den Glücksmomenten im alltäglichen Leben erzählt, und »Je veux« der bekannten Sängerin Zaz, in dem es heißt »Ich will Liebe und Freude, nicht euren Plunder«. Der pulsierende Rhythmus und die pure Leidenschaft in der Stimme der charmanten Christa Bommers begeisterten das Publikum. Für den Gitarristen Tschuppi Meyer-Wanke spielte bei dem Auftritt noch eine persönliche Komponente mit: »Ich habe die wertvolle Arbeit der Diakonie bei der Pflege meiner Eltern in Erlangen selbst miterlebt und mich deshalb besonders gefreut, hier spielen zu dürfen«. »Ich schließ dich heute in mein Nachtgebet« hieß es dann im letzten Stück, einer eigenen Komposition.

ST. MATTHÄUS KIRCHE

Rund 360 Gäste füllten die Reihen.

Zum Zweck der Intensivierung des Ehrenamts und der Freiwilligenarbeit sowie zur Finanzierung eines Fahrzeugs für die Wohnungslosenhilfe wurden nach dem Konzert Spenden gesammelt. Gelegenheit zum geselligen Zusammenkommen, Austausch und Kontakte knüpfen, bot der anschließende Empfang.

 Ich will helfen

 


Für sich und für die anderen Anna Thiel

Dietrich Söhndel ist ein Macher. Kaum war er 1995 beruflich zurückgetreten, begann er, sich ehrenamtlich zu betätigen. Zunächst half er Schülern*innen bei der Vorbereitung aufs Mathe-Abitur, dann folgte er dem Aufruf seiner Gemeinde nach helfenden Händen bei der Tafel. »Durch die ›Hungerjahre‹, die ich in meiner Kindheit erlebt habe, wusste ich, was Not bedeutet und bin ganz kurzentschlossen mit eingestiegen« erzählt der heute 79-Jährige. »Ich fand sofort, dass die Tafel eine gute Sache ist«. Damit der Betrieb läuft, heißt es »anpacken«. Das bedeutet den Lagerbestand prüfen, die gelieferten Kisten schleppen und die Ware für die Ausgabe sortieren – richtig körperliche Arbeit.

Bereits seit 22 Jahren kann die Diakonie Erlangen auf ihn zählen. Der ehemalige Programmierer bei Siemens kann deshalb unzählige Geschichten aus der Anfangszeit der Einrichtung mit heute drei Ausgabestellen erzählen: Studenten*innen haben sich das ursprünglich amerikanische Konzept abgeschaut, auch in Berlin gab es das bereits unter dem Namen »Gedeckter Tisch«. In Erlangen sei es am Anfang ein bisschen wie eine Garagenfirma gewesen: »Das Angebot hat sich durch Mund-zu-Mund-Propaganda verbreitet und ist schnell bekannt geworden«, erzählt Söhndel. Man habe aber damals nicht die Möglichkeit gehabt, so viele Lebensmittel zu holen, wie gebraucht worden seien.

Schon damals war die Diakonie die »Mutter« der Tafel: Sie stellte die Räumlichkeiten zur Verfügung und steuerte Benzingeld bei. Die Nachfrage war groß und entsprechend viel gab es zu organisieren – so wurde 2002 entschieden, eine Leitungskraft einzustellen, die dann Akquise für ausreichend Lebensmittel betrieb, Touren plante und Spenden sammelte.

»Ich fand sofort, dass die Tafel eine gute Sache ist«

Dietrich Söhndel

Söhndel hat schon viele Veränderungen mitgemacht: »Von der Raumerstraße mussten wir aus Platzgründen in die Luitpoldstraße ausweichen und von dort 2014 in die Schillerstraße«. Im Jahr darauf stellten die hohe Zahl der Flüchtlinge und der damit verbundene stark gestiegene Andrang die Ausgabestelle vor eine neue Herausforderung. »Es war wie ein Kampf ums Dasein, alle hatten Hilfe dringend nötig«, erinnert sich Dietrich Söhndel. Inzwischen werden die Lebensmittel in fünf verschiedenen Gruppen ausgegeben, das hat für Ruhe gesorgt. »Bedürftigen die Hilfe zu verwehren kam nie in Frage«, davon ist Söhndel überzeugt.

Bis er mindestens 85 ist will Dietrich Söhndel bei der Tafel bleiben, wenn er es körperlich schafft. Er begründet das lachend: »Weil ich dann länger bei der Tafel als bei Siemens war«. Außerdem sei das Verhältnis nicht nur im Team untereinander gut, auch zu den Kunden*innen habe er eine starke emotionale Bindung: »Mit der Zeit kennt man sich natürlich und kommt sich etwas näher« erzählt er, »einmal habe ich sogar eine Umarmung bekommen, das hat mich schon sehr berührt«.

Zur Tafel Erlangen

 


MONIKA SÖHNDEL

Ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Diakonie am Ohmplatz

Ein gewisses Helfergen brauche man schon, meint auch Monika Söhndel. Sie hat es zweifelsohne! Seit gut sechs Jahren ist sie als Bewohnerfürsprecherin ehrenamtlich für die Diakonie am Ohmplatz tätig. »Ich habe damals eine Angehörige gesetzlich betreut und bin so dazu gekommen«, erinnert sie sich. Alle zwei Jahre werden Bewohnerfürsprecher*innen gewählt, das Amt zu besetzen ist für jedes Heim Pflicht. Eigentlich sollten Angehörige die Aufgabe übernehmen, oft fehlen ihnen aber die Kapazitäten. Monika Söhndel bietet nun eine Sprechstunde für Angehörige und Bewohner*innen an, nimmt an Vorstellungsgesprächen teil und hat ein Mitbestimmungsrecht bei der Einstellung – den Betreuungsspiegel immer im Blick. »Oft geht es auch um zwischenmenschliche Vermittlung und Kleinigkeiten, die im Pflegealltag untergehen«, sagt sie, »ein Bewohner zum Beispiel wusste nicht, dass der Besuch seines Hundes im Heim erlaubt ist – das hat ihm unheimlich viel bedeutet«. Die 75-Jährige findet: »Zuhause sind die meisten Alten alleine, von der Ansprache und vom Geistigen her sind sie im Heim dann besser aufgehoben«.

»Man tut damit gleichzeitig etwas Gutes für sich und für die anderen«

Monika Söhndel

»Ich bin etwas aufmüpfiger als mein Mann«, sagt Monika Söhndel über sich selbst. Man hat jedenfalls den Eindruck, dass sie kaum zu bremsen ist: Vier Kinder hat sie großgezogen, war Sekretärin des Pfarrers. Viele Jahre hat sie bei einem Basar für Bedürftige in ihrer Gemeinde mitgearbeitet, hat sich bemüht, einen Seniorensingkreis und Gedächtnistrainings zu etablieren und immer wieder Pflegekinder versorgt. Seit September vergangenen Jahres ist sie im Seniorenbeirat der Stadt Erlangen tätig. Ihr Ehrenamt macht sie sehr zufrieden: »Man tut damit gleichzeitig etwas Gutes für sich und für die anderen«. Über die Zukunft der ehrenamtlichen Arbeit ist sie aber durchaus besorgt. »Früher sind Menschen häufiger in den Vorruhestand gegangen, heute müssen sie sich um Altersarmut sorgen und arbeiten so lange sie können vergütet«, so Monika Söhndel. Ehrenamt sei anstrengend, »und wenn sie jetzt bis 75 arbeiten müssen, fehlt ihnen doch die Kraft!«. Sie wünscht sich, dass die Politik das Ehrenamt mehr honoriert, nicht nur mit Worten.

Für die Diakonie sind engagierte Menschen wie Monika und Dietrich Söhndel unentbehrlich.

Zur Diakonie am Ohmplatz

 


Kein Tag ist wie der andere Anna Thiel

Sie sorgen dafür, dass den Bewohnern*innen der Seniorenheime der Diakonie Erlangen nie langweilig wird. Sie führen Veranstaltungen durch, leiten Gruppenangebote, hören zu, machen Mut, aktivieren, trösten und sorgen für Freude und Bewegung: die Mitarbeitenden des »Begleitenden Dienstes«. Sie sind »Betreuungsassistenten nach § 43b«, eine Berufsgruppe, die es seit der Pflegereform 2008 gibt. Den Heimen stehen je 20 Bewohnern*innen ein/e Betreuungsassistent*in zu – die Kosten übernehmen die Pflegekassen. Betreuungsassistenten*innen entlasten das Pflegepersonal mit ihrer Arbeit, sind selbst aber keine Pflegekräfte. Als sozialer Dienst planen sie Veranstaltungen, Ausflüge, Freizeitangebote und Gruppen für die alten Menschen: Zusammen backen, musizieren, spielen und malen sie. Sturzprävention, Gymnastik und Gedächtnistraining gehören auch dazu. Das Team sorgt so für Geselligkeit und Wohlbefinden bei den Senioren*innen.

Begleitender Dienst

Viele kamen als Quereinsteiger zum Begleitenden Dienst – mittlerweile arbeiten sie schon viele Jahre im Team.

Der Begleitende Dienst der Diakonie Erlangen

Zwei warmherzige, tatkräftige Frauen leiten den Begleitenden Dienst, das heißt das Team der Betreuungsassistenten*innen, in den Heimen der Diakonie Erlangen: Krista Wagner (Diakonie am Ohmplatz) und Evi Gerstner (Diakonie Sophienstraße). Sie kümmern sich um rund 160 Menschen, die in den Heimen leben, sind Schnittstelle für Bewohner*innen, Angehörige, Pflegekräfte, Seelsorger*innen, Ehrenamtliche, Auszubildende und Praktikanten*innen.

Krista Wagner

Die Gymnastikstunde macht Spaß und bringt den Kreislauf wieder in Schwung.

Alter ist eine anspruchsvolle Lebensaufgabe

Bereits seit 2000 ist Krista Wagner in der Diakonie Erlangen. Die heute 54-Jährige brachte 10 Jahre Berufserfahrung als Krankenschwester mit und arbeitete erst ein Jahr lang in der Pflege, bevor sie die soziale Betreuung übernahm. Sie absolvierte dafür eine gerontopsychiatrische Weiterbildung und machte berufsbegleitend ihren Bachelor in Psychologie. Ein paar Jahre später sattelte sie die sogenannte Palliativ-Care Weiterbildung obendrauf, um Menschen würdevoll auf ihrem letzten Lebensweg begleiten zu können. »Alter ist eine Lebensaufgabe – diese gut zu meistern ist gleichzeitig harte Arbeit und Geschenk«, meint sie. Wagner hat Hochachtung vor jedem, der nicht verbittert, sondern sein Alter lebensfroh und weise gestaltet. Sie findet: »Liebevolle, dankbare alte Menschen sind ein Segen für alle, die mit ihnen zu tun haben und es ist schön solchen Menschen am Ohmplatz zu begegnen«. Manchmal aber führen Krankheiten wie Demenz dazu, dass sich Menschen aus dem Leben mehr und mehr zurückziehen, dass sie nicht nur ihre Interessen verlieren sondern auch ihre Persönlichkeit, ihre Identität.

Die wohl schwierigste, aber laut Krista Wagner auch sehr bereichernde und schöne Aufgabe ist es, einen Schlüssel zu finden, das Herz dieser Menschen zu erreichen, sie mit ihren Quellen von Glück und Freude in Berührung zu bringen: »Das passiert oft durch das Wecken von Erinnerungen an frühere Zeiten, Kinderzeit oder Jugendalter oder das Singen von Volksliedern, Erzählen von Märchen und Geschichten…« Ein wertschätzender, respektvoller Umgang, der die Lebensleistung und die einzigartige Lebensgeschichte der Menschen würdigt, schafft eine vertrauensvolle Beziehung, die die Lebensqualität erhält und fördert. »Das Strahlen in den Gesichtern tut in der Seele gut, das sind wahre Herzensbegegnungen«, so Krista Wagner.

Beobachten könne man auch eine Entwicklung vom »Altenheim« zum »Pflegeheim«, so Krista Wagner, »die Menschen kommen heute älter und kränker als früher ins Heim«. Eine gute Zusammenarbeit und gegenseitige Anerkennung von Pflege und Betreuung sei daher besonders wichtig. Wir wollen in unserem Haus den Menschen als Ganzes pflegen. Die Pflege der Seele ist vorrangige Aufgabe des Betreuungsteams.

 


Evi Gerstner

In der Diakonie Sophienstraße hat die Gruppe Freude an der Bewegung mit dem großen Pezziball, den Sie geschickt zu ihrem Gegenüber rollen.

Bloß kein Einerlei

Auch Evi Gerstner hat zunächst eine Ausbildung zur Altenpflegefachkraft absolviert, nachdem sie ihren Vater bis zu dessen Tod versorgt hat. »Ich habe nochmal einen ganz anderen Kontakt zu ihm aufgebaut, es ist eine Nähe entstanden, die wir so vorher nicht hatten«, erzählt sie. Das war eine ganz neue Erfahrung, die sie geprägt hat. »Blauäugig hineingestolpert« sei sie dann in die Arbeit in dem Pflegeheim. Ihr Leben davor sah ganz anders aus: eine Ausbildung zur Stenotypistin bei Siemens, dann zwei Kinder und anschließend eine 40-Stunden-Woche in der Altenpflege, bis sie die Leitung des Begleitenden Dienstes übernahm.

Empathie, Motivation und Kreativität dürfen nicht fehlen.

Evi Gerstner verteilt bunte Schokoladen in den Geschmacksrichtungen, die vorher gemeinsam zusammengetragen wurden.

»Kein Tag ist wie der anderer« – so lässt sich die Arbeit von Evi Gerstner im Begleitenden Dienst zusammenfassen. Ein Glück! Denn sie mag kein »Einerlei«. In ihrem Beruf müsse man spontan sein, so die 59-Jährige, die nur so sprudelt vor neuen Ideen für die Beschäftigung der Bewohner*innen. Oft sind es einfache Sachen, die Emotionen hervorrufen und die Bewohner*innen motivieren, zum Beispiel das Aussähen von Kresse im Frühling oder das Basteln mit Naturmaterialien. Aber sie wird nie müde, neue Dinge auszuprobieren. Besonders gern plant sie mit ihrem neunköpfigen Team Veranstaltungen für die Senioren*innen. Aber auch für heiklere Aufgaben ist sie zuständig: »Wenn Bewohner oder Bewohnerinnen auffällig sind, zum Beispiel unruhig, aggressiv oder weglaufgefährdet, dann versuche ich gemeinsam mit den Angehörigen eine Lösung zu finden«. Der Austausch ist wichtig, vor allem, wenn mehrere Krankheitsbilder zusammenkommen. Auch die Zusammenarbeit des ganzen Teams ist hier gefragt, nur so kann sich Evi Gerstner ein umfassendes Bild der Situation machen und gezielte Hilfe einleiten. Regelmäßig findet sich das Team von Krista Wagner und Evi Gerstner zur Übergabe und Fallbesprechung zusammen und schaut, dass keiner der Bewohner*innen durchs Netz fällt. Wenn jemand Neues einzieht, werden Biografiegespräche geführt, um auf die individuellen Bedürfnisse der Bewohner*innen einzugehen. Zum Beispiel: Was ist dieser Person wichtig, was hat ihr Leben ausgemacht? Wodurch erlebt sie Freude und Wertschätzung? Wer passt zu wem? Wie können wir Neuankömmlingen beim Einleben helfen?

Das bedarf eines guten Gespürs und Einfühlungsvermögens. Im Team sind viele Quereinsteiger*innen: Sie waren vorher Zahnarzthelferin, Masseur, Hausfrau, Mutter und so weiter. Aber sie alle sind motiviert, empathisch und haben eine kreative Ader. Die meisten von ihnen scheinen ihre Berufung gefunden zu haben, denn gleich mehrere feiern in diesem Jahr ihr 10-jähriges Dienstjubiläum.

 Zur den stationären Altenpflegeeinrichtungen

 

Kontakt

Anna Thiel Pressesprecherin, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit

Raumerstraße 9
91054 Erlangen

(0911) 35 05 – 129

anna.thiel@diakonie-erlangen.de

Hilfe im Leben – Diakonie Erlangen