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Ausgabe Winter 2018/2019

»Unsere jungen Leute haben teilweise schwerwiegende Biografien und ernste psychische Belastungen, die sie als ‚Rucksack‘ mit sich herumtragen«, so Gremer. Die Jugendwerkstatt gebe ihnen eine Chance auf eine strukturierte Basis für ihr Leben.

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Kjara bringt Freude ins Hospiz Anna Thiel

Kjara, das ist die hübsche Sibirische Husky Hündin, mit der Kristof Lanczak seit nunmehr einem Jahr die Gäste im Hospiz besucht. Als Vertriebsingenieur bei Siemens ist der 62-Jährige inzwischen in Altersteilzeit. Mit der ruhigen und liebenswerten Kjara hat er vor anderthalb Jahren über eine Tierschutzorganisation genau den Hund gefunden, den ergesucht hat. Schon bald darauf kam der Wunsch, gemeinsam etwas Nützliches zu machen. Für eine Ausbildung zum Rettungshund war die Hündin zwar bereits zu alt, aber das Bayerische Rote Kreuz (BRK) erkannte ihren angenehmen Charakter schnell und schlug vor, sie als Besuchshund im Hospiz einzusetzen.

"Es macht mir Spaß, Leuten Freude zu geben", sagt Kristof Lanczak. Mit der Hilfe von Hündin Kjara ist das selbst im Hospiz ganz einfach.

Alle zwei Wochen klopft Kristof Lanczak nun an den Zimmern und fragt, ob der Besuch von Kjara erwünscht ist – immer nach Dienstwechsel, damit der Ablauf der Pfleger*innen nicht gestört wird. Kristof Lanczak möchte nicht aufdringlich sein. Er weiß, dass es manchen Gästen zu viel ist »und manche mögen einfach lieber Katzen«, sagt er lachend.

Anita K. (Name geändert) ist eine derjenigen, die den nächsten Besuch schon bei der Verabschiedung kaum erwarten können. Die Anwesenheit von Kjara zaubert ihr das schönste Strahlen ins Gesicht. Kristof Lanczak reicht der Dame immer wieder Leckerlis, mit denen Sie die Aufmerksamkeit der Hündin gewinnt und sie füttert. Beim Plaudern nebenbei verrät sie: »Heute ist mein Geburtstag« und es geht ihr an diesem Tag glücklicherweise den Umständen entsprechend gut. Zuhause hat sie selbst einen kleinen, quirligen Hund gehabt.

Insgesamt dauert die Besuchsrunde diesmal fast anderthalb Stunden. In einem anderen Zimmer ist eine Angehörige zu Besuch und man kommt ins Gespräch über eine vergangene Reise nach Polen, Kristof Lanczaks Geburtsland. Das ist nicht immer so, erzählt Kristof Lanczak, manchmal sind Kjara und er nach einer halben Stunde auch schon wieder durch, »je nach Tagesform der Gäste«.

 Zum Erlanger Hospiz 


EIN FUNDAMENT FÜRS LEBEN Anna Thiel

Weil 2020 von der wichtigsten Finanzierungsquelle, dem Europäischen Sozialfonds, extreme Kürzungen zu erwarten sind, steht Einrichtungsleiter Wolfgang Gremer vor einer großen Herausforderung.

Forderung nach stabiler Finanzierung

Die Jugendwerkstatt Erlangen finanziert sich aus mehreren Töpfen: Die Bayerische Staatsregierung, das Jugendamt der Stadt Erlangen, die Evangelische Landeskirche Bayern und die GGFA AöR Erlangen (»Options-Kommune«) fördern das Projekt. Einen Teil der Kosten tragen die Stadtmission Nürnberg und die Diakonie Erlangen. Etwa 20 Prozent des Haushaltsvolumens erzielt die Jugendwerkstatt außerdem durch Erlöse aus Auftragsarbeiten.

2020 läuft die Förderung des wichtigsten Zuschussgebers, des Europäischen Sozialfonds (ESF), aus. Aus dem geplanten Sozialfonds-Projekt zur Anschlussfinanzierung wird dann deutlich weniger Geld fließen. Einrichtungsleiter Wolfgang Gremer sucht mit Hochdruck neue Einnahmequellen, um die Lücke zu stopfen: »Im Rahmen unserer Möglichkeiten versuchen wir die zukünftige Finanzierung der Jugendwerkstatt auf mehr Schultern zu verteilen«. Er habe intensive Verhandlungen mit den Kommunen der gesamten Metropolregion Nürnberg und mit Vertretern der Jobcenter und Agenturen für Arbeit aufgenommen. »Verstärkt suchen wir auch Kontakt zu verschiedenen Stiftungen und potentiellen Geldgebern für eine institutionelle oder auch Einzelfallförderung«, erklärt Gremer.

Einrichtungsleiter Wolfgang Gremer (2.v.r.) mit dem Team und den Auszubildenden der Jugendwerkstatt in Eltersdorf.

Hilfe im Leben – Diakonie Erlangen