»Ich empfinde eine große Nähe zu den Sterbenden und ihren Familien. Es ist für mich eine Ehre, dass ich Menschen begleiten darf, die für immer gehen.«

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»EIN SUPERSCHÖNER START«

Seit November 2024 hat der Unternehmensverbund aus Stadtmission Nürnberg e.V. und Diakonie Erlangen eine neue Finanzvorständin. Die Betriebswirtin war zuvor beim Landesverband der Diakonie Bayern tätig. Sie ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und lebt in Hersbruck im Nürnberger Land. Im Interview spricht sie über ihre Freude am Gestalten und warum ein „hundertprozentiger Plan“ nicht immer die beste Option ist.

Porträtfoto von Gertrud M. Barth, Finanzvorständin der Stadtmission Nürnberg e.V.

EINFACH MACHEN

Gertrud M. Barth ist eine Finanzvorständin, die anpackt.

Liebe Frau Barth, Sie waren zuletzt als Referentin für Wirtschaftsberatung bei der Diakonie Bayern beschäftigt. Nun sind Sie die neue Finanzvorständin der Stadtmission Nürnberg e.V. und damit auch der Diakonie Erlangen. Was reizt Sie an Ihrer neuen Rolle?

Gertrud M. Barth: Für mich ist das ein Weg „back to the roots“. Ich komme aus der Diakonie. Bei der Stadtmission kann ich machen, was ich gelernt habe, was ich als Betriebswirtin lange gemacht habe und wo ich echte Stärken bei mir sehe. Es war eine super Zeit beim Landesverband der Diakonie. Ich konnte viel beraten aus meiner Erfahrung heraus, aber das Gestalten konnte ich nicht selbst mit in die Hand nehmen. Und für mich als Nürnbergerin ist die Stadtmission Nürnberg e.V., zu der die Diakonie Erlangen ja mittlerweile gehört, eine feste Größe. Außerdem schätze ich unseren Vorstandsvorsitzenden Herrn Stähler sehr.

Was trägt Sie in Ihrer Arbeit? Haben Sie ein Motto? Wollen Sie eine Lebensweisheit mit uns teilen?

Gertrud M. Barth: Darf ich zwei sagen?

Aber unbedingt.

Gertrud M. Barth: Mein Motto ist: „Mach`s einfach!“ Und: „Ein Problem nach dem anderen.“ „Einfach machen“ hat für mich etwas mit angstfreiem Arbeiten zu tun. In der Regel kann man das Risiko beherrschen. Gerade in Deutschland ist es ja oft so: Erst wenn wir einen hundertprozentigen Plan haben, legen wir los. Warum nicht mit 70 Prozent? Und wenn wir feststellen, dass der Plan doch nicht so gut war, dann justieren wir nach, bis alle damit glücklich sind.

Wie war Ihr Start bei uns im Verbund? Gelungen?

Gertrud M. Barth: Ich bin so nett und so freundlich empfangen worden, ich fühle mich sehr willkommen. Es war ein superschöner Start. Ob mein Start in der Form gelungen ist, dass ich ein wertvoller Teil dieses Großteams geworden bin, das müssen am Ende die Mitarbeitenden beurteilen.

Was machen Sie gerne, wenn Sie nicht arbeiten – oder anders gefragt: Wie sieht Ihr perfekter Sonntag aus?

Gertrud M. Barth: Ich habe tatsächlich meine Familie gefragt, wie mein perfekter Sonntag aussieht (lacht). Mein Sohn hat gesagt: bis 18 Uhr sturmfrei, alle sind weg. Die Alternative ist: Alle sind da, die ganze Familie kommt und wir kochen gemeinsam. Mein Job besteht aus Zahlen und Prozessen – und das ist insofern ein kleines bisschen ergebnislos, weil ich nichts Sichtbares mit nach Hause nehmen kann. Mein Ausgleich ist Backen und Kochen, das mache ich schon seit meiner frühesten Kindheit unheimlich gern. Ich nehme auf lange Zugfahrten durchaus ein Kochbuch zum Lesen mit. Und ich handarbeite unheimlich gern. Der Tag wird kommen, da sehen Sie mich mit Strickzeug in der Hand (lacht).

Wir sind gespannt (lacht).

Interview: Sabine Stoll


ZURÜCK IN DIE SPUR

Die Jugendwerkstatt Erlangen ist eine Institution: Seit vier Jahrzehnten bildet die Diakonie-Einrichtung benachteiligte Jugendliche in Holzberufen aus. Ein Erfolgsmodell, von dem auch Daniel Horst begeistert ist. Der 39-Jährige leitet die „JuWe“ seit Februar dieses Jahres. Und hat einiges vor, wie er im Interview verrät …

Daniel Horst von der Jugendwerkstatt Erlangen steht in der Werkstatt. Er hält eine Holzlatte in Händen.

VOLLER EINSATZ

Mit vielen frischen Ideen bringt Einrichtungsleiter Daniel Horst die Jugendlichen in der JuWe zurück in die Spur.

Herr Horst, Sie kommen ursprünglich aus der Informatik und dem Handel, waren zuletzt in führender Position bei einem Unternehmen in der Freien Wirtschaft tätig. Seit Februar 2025 leiten Sie nun die Jugendwerkstatt. Warum der Wechsel?

Horst: Bei meiner vorherigen Tätigkeit waren es mir schlicht: zu viele Zahlen, zu wenig Mensch. Ich möchte für und mit Menschen arbeiten. Und ich möchte Mitarbeitende auch nicht nur nach Kennziffern beurteilen – das gibt mir nichts. Außerdem finde ich den Werkstoff Holz wirklich spannend und habe mir daraus zum Beispiel eine Außenküche in den Garten gebaut.

Was konkret reizt Sie gerade an der JuWe?

Horst: Ich kann hier meinem sozialen Drang nachgehen; Menschen dabei helfen, wieder in die Spur zu finden. Wir bilden hier viele junge Menschen aus, die durchs Raster fallen. Sie schleppen eine Menge Probleme in ihrem Rucksack mit sich herum. Eine „normale“ Ausbildung kommt für sie nicht infrage. In der JuWe können sie sich entfalten und ihre Talente entdecken. Ich möchte dabei helfen, ihnen wieder eine Perspektive zu geben.

Gelingt Ihnen und Ihrem Team das?

Horst: Ja! Ein gutes Beispiel ist unser Azubi Felix. In der fünften Klasse hat er die Schule abgebrochen, da seine Schulpflicht zu Ende war. Er hing buchstäblich in der Luft. Dann kam die Ausbildung in der JuWe, zunächst als Fachpraktiker für Holzverarbeitung. Bei der praktischen Arbeit blühte er so sehr auf, dass er nach zwei Jahren in die Schreinerausbildung gewechselt ist. Er ist mittlerweile einer unserer Besten, arbeitet gerade an seinem Gesellenstück und bewältigt mittlerweile auch die Theorie in der Berufsschule. Weil er jetzt weiß, wofür er lernt.

Wie viele weitere junge Menschen schreiben in der JuWe aktuell an Erfolgsgeschichten?

Horst: Momentan haben wir 16 Azubis in der Werkstatt. Hinzu kommt ein Fahrradmonteur, bei dem wir mit dem „Café Hergricht“ in Erlangen zusammenarbeiten. Unser oberstes Ziel bei diesen Jugendlichen ist stets: Sie sollen nach der JuWe eine Arbeit finden und auf eigenen Beinen stehen. Das gelingt uns bei über 90 Prozent.

Es heißt „neue Besen kehren gut“. Welche frischen Ideen bringen Sie in die Jugendwerkstatt mit?

Horst: Grundsätzlich möchte ich den pädagogischen Aspekt noch mehr in den Vordergrund rücken. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass wir hier auch wirklich schwierige Fälle auffangen. Für sie muss der Fertigungsdruck geringer sein. Ganz praktisch: Sie dürfen zum Beispiel mehr Übungsstücke bearbeiten, die wir trotzdem etwa auf Weihnachtsmärkten verkaufen. Außerdem würde ich gerne einmal im Monat gemeinsam mit den Azubis kochen. Wir haben hier eine bunte Truppe aus vielen verschiedenen Ländern. Und wo lernten man fremde Kulturen schöner kennen, als in der Küche oder am Esstisch? Auch eine Kooperation mit der Jugend-Reha der Stadtmission Nürnberg fände ich toll. Denkbar wäre eine gemeinsame Reha-Ausbildung für psychisch hochgradig belastete Jugendliche.

Dabei wünschen wir Ihnen viel Freude und Erfolg!

Interview: Alexander Reindl

zur Jugendwerkstatt Erlangen


KULTUR IST »NAHRUNG FÜR DIE SEELE«

10.000 Tickets hat die KulturTafel Erlangen seit ihrem Start 2014 bereits vermittelt. Das heißt: Zugang zu rund 1.000 kulturellen Veranstaltungen ermöglicht, die Menschen mit kleinem Geldbeutel sonst nicht besuchen könnten. Ohne ein engagiertes Team aus Ehrenamtlichen wäre diese wertvolle Arbeit nicht möglich. Wir stellen einige von ihnen vor:


MEHR HILFE AUF DEM WEG ZURÜCK INS LEBEN

Dauergast in der Klinik? Eine Diakonie-Einrichtung in Erlangen unterstützt Menschen mit psychischer Erkrankung dabei, zurück in ein selbstbestimmtes Leben zu finden. Damit erspart sie diesen unter anderem ständig wiederkehrende Aufenthalte in Krankenhäusern.

Martin Kunz, Einrichtungsleiter der Ambulanten Hilfen für Menschen mit psychischen Erkrankungen, spricht und gestikuliert mit seiner linken Hand.

»AMBULANT VOR STATIONÄR «

Dank Martin Kunz und seinem Team der Ambulanten Hilfen bleiben psychisch kranken Menschen wiederkehrende Aufenthalte in Kliniken oft erspart.

„Wir arbeiten nach dem Grundsatz ‚ambulant vor stationär‘“, erklärt Martin Kunz. Der Sozialpädagoge leitet die Ambulanten Hilfen für Menschen mit psychischer Erkrankung. Und veranschaulicht die tägliche Arbeit seines Teams: „Unsere vier Sozialpädagoginnen und eine Pädagogin helfen unseren Klientinnen und Klienten bei der Bewältigung ihres Alltags. Zu festen Terminen besuchen sie diese in ihren eigenen Wohnungen, gehen mit ihnen raus oder begleiten sie zu Ärzten und Behörden.“

Am Anfang steht dabei stets die Hilfeplanung. Dabei definieren die Mitarbeitenden der Ambulanten Hilfen feste Ziele mit den Betroffenen für die fünf Lebensbereiche „Umgang mit der Erkrankung“, „Umgang mit anderen Menschen“, „Selbstversorgung und Wohnen“, „Arbeit und Beschäftigung“ sowie „Tagesgestaltung“. Anschließend helfen die (Sozial-)Pädagoginnen dabei, diese zu erreichen – ganz pragmatisch, Schritt für Schritt.

Den Teufelskreis durchbrechen

Das Konzept funktioniert: Viele der 34 Erkrankten, die die Einrichtung der Diakonie aktuell unterstützt, pflegen wieder soziale Kontakte, bekämpfen ihre Einsamkeit, schaffen Ordnung in ihrem Zuhause und gehen produktiven Tätigkeiten nach, beispielsweise im Rahmen einer Arbeitstherapie. Dies schützt vor einer Chronifizierung der Krankheit und einem gefürchteten Teufelskreis: „Psychisch kranke Menschen, die auf sich alleine gestellt sind, hangeln sich oft von Klinikaufenthalt zu Klinikaufenthalt. Oder sie leben dauerhaft in speziellen Wohnheimen. Das ist auch für die gesamte Gesellschaft richtig teuer“, gibt Kunz zu bedenken. Die Investitionen in die Ambulanten Hilfen sind laut dem Sozialpädagogen deshalb gut angelegtes Geld, da die Unterstützten hier weiterhin in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben können.

Bislang war die Einrichtung der Diakonie unter dem Namen „Persönliches Budget“ bekannt. Die Umbenennung in „Ambulante Hilfen für Menschen mit psychischer Erkrankung“ bringt nicht nur einige Buchstaben mehr mit sich, sondern auch viele Vorteile für Erkrankte. Kunz hierzu: „Bislang erhielten sie vom Bezirk Mittelfranken einen bestimmten Betrag aufs Konto überwiesen. Mit diesem bezahlten sie dann unser Angebot. Jetzt erhalten wir das Geld direkt vom Bezirk. Das bedeutet weniger Stress für unsere Klientinnen und Klienten.“ Außerdem sinke der Kostendruck für die Diakonie und es könne längerfristig geplant werden. „Unterm Strich können wir so noch besser auf Erkrankte eingehen“, ist sich Kunz sicher. Er darf sich mit seinem Team also auch weiterhin über viele Menschen freuen, die mit den Ambulanten Hilfen Krisen meistern, sich stabilisieren und so zurück ins Leben finden.  

Alexander Reindl

zu den Ambulanten Hilfen für Menschen mit psychischer Erkrankung


75 JAHRE DIENST AM NÄCHSTEN

In diesem Jahr feiert die Diakonie Erlangen stolz ihr 75-jähriges Bestehen. Das Jubiläum ist eine gute Gelegenheit, auf ein dreiviertel Jahrhundert Geschichte, Engagement und Gemeinschaft zurückzublicken.

Zwei Damen in einem Beratungsgespräch

HAUS DER DIAKONIE

Am 11. November 1988 wird das Haus der Diakonie in der Raumerstraße 9 offiziell eingeweiht. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt jetzt in der sozialen Arbeit mit Beratungsdiensten und sozialpädagogischer Familienhilfe.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1950 unterstützt die Diakonie Erlangen – damals noch unter dem Namen Innere Mission – die Menschen in unserer Region fürsorglich. Es gab viele Höhen und Tiefen, Herausforderungen wurden gemeistert und Erfolge gefeiert. Eines ist über all die Jahre allerdings konstant geblieben: der Glaube an die Kraft der Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe.

Die Diakonie Erlangen blickt auf viele Errungenschaften und Meilensteine zurück. Von der Gründung der ersten Dienststelle bis hin zu den zahlreichen Projekten und Initiativen, die die Diakonie im Laufe der Jahre ins Leben gerufen und begleitet hat, hat sie dabei stets den Menschen im Mittelpunkt ihrer Arbeit gesehen.

Viele soziale Probleme nach dem Zweiten Weltkrieg

Aufgrund der vielen sozialen Probleme nach dem Zweiten Weltkrieg richtete der damalige Dekan Professor Walter Künneth eine kirchliche Fürsorgestelle ein. Es entstanden die Bahnhofsmission mit ihrer offenen Fürsorge sowie Unterkünfte für Studierende. Um der gesamten Arbeit ein festeres Gefüge zu geben, erfolgte durch einen Beschluss und dem Beitritt aller Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinden im Kirchenbezirk Erlangen am 19. Januar 1950 die Gründung des Bezirksvereins der Inneren Mission Erlangen. Die Aktivitäten und Tätigkeitsfelder des Vereins: Fürsorge und Beratungsstelle, Bahnhofsmission, Wohnheime und Barackenlager für Studierende und Heimatvertriebene.

Starke Gemeinschaft im Rücken

Seitdem hat sich unter anderem die Jugendfürsorge laufend erweitert. Hinzu kamen etwa die Gefängnisfürsorge und Strafentlassenenbetreuung, die Betreuung heimatloser Ausländer*innen, die Kindererholungsverschickungen in den 50er-Jahren sowie die Gründung von Kindergärten und Krankenpflegestationen. Auch die Hilfswerkarbeit mit der Lebensmittel- und Kleidervergabe ist eine wesentliche Aufgabe der Diakonie Erlangen. In den 60er- und 70er-Jahren lag der Schwerpunkt bei der Altenarbeit. So wurden Altenheime mit Pflegeabteilungen in Betrieb genommen. Kindergärten, die durch das Diakonische Werk Erlangen verwaltet wurden, konnten in Trägerschaft der Kirchengemeinden übergeben werden.

Die Tätigkeiten der Diakonie Erlangen erweitern und verändern sich kontinuierlich und tragen den sozialpolitischen Umständen und Veränderungen Rechnung. Und mit einer starken Gemeinschaft im Rücken sind wir zuversichtlich, dass die nächsten 75 Jahre genauso erfolgreich sein werden wie die bisherigen.

Sabine Weißenborn


AKUPRESSUR IN DER TOSKANA

Sie kümmern sich mit großer Leidenschaft um sterbende Menschen: Krankenschwester Jessica Pickett und Kinderkrankenschwester Helga Wilfer lieben ihre Arbeit im Hospiz Erlangen. Nun erhielten die 40- und 62-Jährige die Gelegenheit, ihre Kenntnisse in der Palliativmedizin bei Fortbildungen zu erweitern. Davon profitieren nicht nur die Gäste in der Diakonie-Einrichtung … 

Zwei Frauen sitzen nebeneinander und lächeln

HOSPIZFORTBILDUNG

Sie sind glücklich mit ihren Aufgaben im Hospiz Erlangen und den ermöglichten Fortbildungen im Bereich Palliativmedizin: Jessica Pickett (l.) und Helga Wilfer (r.).

Frau Pickett und Frau Wilfer, was ist das Schönste an Ihrem Beruf?

Pickett: Ich bin ganz dicht an den Menschen dran und darf in einer Ausnahmesituation für sie da sein.

Wilfer: Ich schätze die Zeit, die wir hier für Sterbende und ihre Familien haben. Man darf einfach ganz und gar Schwester sein.

Damit Ihnen das noch besser gelingt, haben Sie jeweils eine intensive Fortbildung im Bereich Palliativmedizin absolviert. Das ist für Pflegefachkräfte in diesem Bereich nicht selbstverständlich. Eine gute Erfahrung?

Wilfer: Ich habe mich riesig gefreut, als mir unser Einrichtungsleiter Alexander Kulla die Fortbildung angeboten hat. Als dann noch das Stipendium der Paula Kubitscheck-Vogel-Stiftung bewilligt wurde, stand dem multiprofessionellen Kurs für Palliativmedizin nichts mehr im Wege. Dieser bestand aus sieben Modulen und dauerte insgesamt 21 Tage. Er fand in Nürnberg statt.

Frau Pickett, Sie durften noch etwas weiter Richtung Süden reisen …

Pickett: Ja, meine Fortbildung „Palliative Care Retreat“ fand in Podere Casacce statt, mitten in der Toskana. Meine Teilnahme an diesem siebentägigen Fachaustausch hatte ich ihm Rahmen einer Aktion der Erika-und-Karl-Munzer-Stiftung gewonnen. Sie fand ergänzend zu meiner eigentlichen Weiterbildung „Palliative Care“ an der Palliativakademie in Bamberg statt, die vom Hospizverein Erlangen finanziert wird.

Welche Fähigkeiten und Kenntnisse haben Sie von dort mit nach Hause gebracht?

Pickett: Super spannend fand ich das Thema Akupressur. Es ist erstaunlich, wie man mit sanften Berührungen zum Beispiel Übelkeit lindern kann. Das funktioniert sogar bei meinen Kindern! Außerdem ging es viel um Selbstfürsorge. Auf dem Programm standen etwa Achtsamkeitsübungen, aber auch der Fachaustausch zu Fallbeispielen, Seelsorge, nonverbaler Kommunikation und vielem anderen.

Wilfer: Mich faszinierte besonders, wie sich die verschiedenen kulturellen und spirituellen Aspekte auswirken, wenn das Leben zu Ende geht. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass Menschen muslimischen Glaubens bis zum Tod kämpfen. Etwas wie Sterbefasten, bei dem man freiwillig auf Essen und Trinken verzichtet, gibt es bei ihnen nicht. Außerdem beschäftige ich mich seit der Fortbildung auch privat mit Hypnose. Damit lassen sich etwa Schmerzen lindern.

Nutzen Sie das neu Erlernte auch bei Ihrer täglichen Arbeit im Hospiz der Diakonie Erlangen?

Pickett: Ja. Dank des Kurses begegne ich bekannten Problemen jetzt mit frischen Ideen. Wenn ein Gast zum Beispiel nicht schlafen kann, versuche ich, mit Akupressur zu helfen. Das unterstützt die Wirkung von Medikamenten gut. Ich schätze diesen erweiterten Blickwinkel sehr.

Wilfer: Das geht mir auch so. Ich verfüge nun etwa über verschiedene Methoden, um Juckreiz zu lindern oder die Atmung zu stimulieren. Unglaublich wichtig ist dabei, dass man sich mit den Kolleginnen und Kollegen im Team austauscht. So lernen alle etwas dazu.

Pickett: Ich finde außerdem, dass mich die Fortbildung wieder sensibler für andere Menschen gemacht hat. Ich bin aufmerksamer, sicherer in Trauergesprächen.

Wilfer: Auf jeden Fall! In Angehörige von Sterbenden kann ich mich jetzt einfacher hineinversetzen. Ich kann ihre Reaktionen in akuten Situationen besser nachvollziehen, bringe mehr Verständnis auf. Etwa wenn sie einen geliebten Menschen nicht gehen lassen können.

Was empfinden Sie dabei?

Wilfer: Ich empfinde eine große Nähe zu den Sterbenden und ihren Familien. Es ist für mich eine Ehre, dass ich Menschen begleiten darf, die für immer gehen. Das ist etwas Besonderes, vergleichbar mit einer Geburt. Die ist ja auch einzigartig.

Pickett: Ja, Hebammen machen tatsächlich einen ähnlichen Job wie wir: Sie bewahren in einer Ausnahmesituation Ruhe und helfen damit anderen.

Wilfer: Guter Vergleich! Und geweint wird auch bei beiden Anlässen: Wenn ein Mensch geboren wird und wenn er geht – manchmal auch aus Erleichterung, dass sein Leiden nun zu Ende ist.

Das klingt sehr reflektiert. Wie denken Sie selbst über den Tod?

Wilfer: Ich hoffe, dass ich auch mal ein „schönes Gehen“ haben werde. Angst vorm Sterben habe ich aber nicht. Ich verfüge über einen festen Glauben.

Pickett: Ich fürchte den Tod auch nicht. Im Kurs wurden wir auch mit unserer eigenen Endlichkeit konfrontiert. Die Folge ist, dass ich bewusster und offener lebe. Dazu gehört für mich auch, keine Angst vor sterbenden Menschen zu haben.

Interview: Alexander Reindl

zum Hospiz Erlangen


GEMEINSAM FÜR EIN GUTES LEBEN IM ALTER

Die Diakonie Erlangen ist bereits mit mehreren Angeboten in Erlangen-Bruck aktiv. Und dieses Engagement soll noch umfangreicher werden: Gemeinsam mit der Stadt Erlangen und dem BRK Erlangen-Höchstadt will die Diakonie AKTIV in Bruck ein Quartiersmanagement aus der Taufe heben, um gezielt älteren Menschen Unterstützung im Alltag anzubieten.  

Mehrere Menschen sitzen an einem großen Tisch zusammen.

KICK-OFF

Sie wollen gemeinsam ein neues Quartiersmanagement aufbauen (v. l.): Christian Raab, Kreisgeschäftsführer BRK Erlangen-Höchstadt, Annett Sobek, Leiterin des Sozialamts Erlangen, Nadine Wacker, Abteilungsleiterin der Abteilung für Alters- und Generationenfragen, Alexander Pfeiffer, Sachgebietsleiter Quartiersarbeit, Dr. Thomas Gunzelmann, Sozialamt Erlangen, Uwe Pihsowotzki, Geschäftsführer des Fachbereichs Senioren und Pflege bei Stadtmission Nürnberg und Diakonie Erlangen, und Felix Krauß, Leiter der Diakonie AKTIV.

Die ersten Weichen sind gestellt: Bei einem gemeinsamen Kickoff-Termin kündigten die drei Partner an, gemeinsam ein Netzwerk der Teilhabe, Unterstützung und Nachbarschaftshilfe aufzubauen. Ziel des Projekts ist es, die Lebensqualität insbesondere älterer Menschen in Bruck zu verbessern, ihre Selbstständigkeit zu fördern und Einsamkeit entgegenzuwirken. Gemeinsam wollen Diakonie AKTIV, das Sozialamt der Stadt Erlangen und das Bayerische Rotes Kreuz für ältere Männer und Frauen ein niedrigschwelliges Angebot aufbauen.

Das Quartiersmanagement versteht sich als zentrale Anlaufstelle für Seniorinnen und Senioren sowie für deren Angehörige. Geplant sind regelmäßige Sprechstunden, Infoveranstaltungen, Vermittlung von Unterstützungsdiensten und die Förderung nachbarschaftlicher Netzwerke. Auch die Einbindung von Ehrenamtlichen spielt eine zentrale Rolle. Das Projekt setzt auf Beteiligung: Die älteren Bürgerinnen und Bürger sollen nicht nur Hilfe erhalten, sondern aktiv mitreden und -gestalten können.

Wenn es nach den Beteiligten geht, sollen noch in diesem Jahr – vorbehaltlich der Zustimmung des Stadtrats – die Kooperationsvereinbarung unterzeichnet und die weiteren Projektschritte festgezurrt werden.

„Die Quartiersarbeit in Erlangen-Bruck wird unser bestehendes Angebot der Ambulanten Dienste und der Tagespflege sehr gut ergänzen. Wir arbeiten gerne daran mit, die Situation für ältere Menschen im Quartier zu verbessern“, sagt Felix Krauß, Leiter der Diakonie AKTIV. Die Diakonie AKTIV ist der größte Pflegedienst in der Region Erlangen. 130 Mitarbeitende versorgen über fünf Diakoniestationen mehr als 700 zufriedene Kunden*innen.

„Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern in Erlangen-Bruck“, sagt auch Uwe Pihsowotzki, Geschäftsführer des Fachbereichs Senioren und Pflege bei Stadtmission Nürnberg und Diakonie Erlangen. Der Unternehmensverbund aus Stadtmission und Diakonie bringt auf diesem Feld große Expertise mit: „Durch unsere Seniorennetzwerksarbeit und den SIGENA-Nachbarschaftstreff in Nürnberg verfügen wir über große Erfahrung und Know-How im Bereich der Quartiersarbeit speziell für Senioren“, so Pihsowotzki weiter.

Die Diakonie Erlangen engagiert sich ganz bewusst in Erlangen-Bruck. Hier sind die Wohnverhältnisse oft eher beengter, hier sind überdurchschnittlich viele Menschen von Armut bedroht.  

Sabine Stoll


NACH DER RENOVIERUNG GEMÜTLICH AUF DIE ECKBANK

Heller. Ruhiger. Gemütlicher. Rund drei Jahre lang wurde die Bahnhofsmission Erlangen peu à peu renoviert. Nun sind die Arbeiten beendet, sehr zur Freude von Leiterin Claudia Steubing: „Das ist toll geworden!“ Erstaunlich dabei: Trotz der umfangreichen Maßnahmen musste die Einrichtung insgesamt nur für gut drei Wochen geschlossen werden.

Claudia Steubing von der Bahnhofsmission Erlangen misst mit dem Maßstab einen Schrank aus.

MASSARBEIT

Claudia Steubing freut sich über die gelungene Renovierung der Bahnhofsmission Erlangen.

An der Wand des Gästeraums begrüßt ein stilvoll verschnörkeltes „Willkommen“ die Besucher*innen der Bahnhofsmission. Das auffällige Wand-Tattoo wurde als Letztes angebracht und verpasst der frisch renovierten Einrichtung den finalen Schliff. Noch vor drei Jahren dominierten relativ dunkle Töne die Räumlichkeiten. Mit dem neuen ockerfarbenen Anstrich wirken sie deutlich einladender – und größer: „Vor der Renovierung war alles sehr düster und gedrungen. Das war schlecht, da wir ohnehin nicht viel Platz haben. Nun erscheint alles viel größer“, ist Steubing mit dem Ergebnis zufrieden.

Den Stein ins Rollen gebracht hat ein stetig wachsender Schimmelfleck im kleinen Büro der Einrichtungsleiterin. Nach einigen Begutachtungen durch die Deutsche Bahn, Vermieterin der Räumlichkeiten, war klar: Mit frischer Farbe ist es hier nicht getan. „Hinter dem Fleck verläuft ein Wasserrohr, das an zwei oder drei Stellen beschädigt war. Dieses musste ersetzt und anschließend die Wand neu verputzt werden“, erinnert sich Steubing. Auch bei den deutlich in die Jahre gekommenen Türen konnte sich die Bahnhofsmission auf die DB verlassen: Ein Schreiner reparierte sie fachmännisch, womit auch das stetige Ziehen vorbei war. Auch die Heizkörper wurden erneuert, strahlten sie ihre Wärme doch eher schlecht als recht ab.

Azubis der Jugendwerkstatt leisten Maßarbeit

Der Nachwuchs der Schreiner*innenzunft kam unter anderem bei der Möblierung des Büros und Gastraums sowie bei der Einrichtung der Küche zum Zug. Aufgrund der beengten Verhältnisse war hier Maßarbeit gefragt. Kein Problem, schließlich gehört zur Diakonie Erlangen auch die Jugendwerkstatt in Eltersdorf, in der benachteiligte Jugendliche Ausbildungen in Holzberufen absolvieren. Mit Säge, Hobel und Co. rückten sie an, fertigten Schränke, montierten Arbeitsplatten. Auch die gemütliche Eckbank im Gastraum stammt aus der „JuWe“. „Das war gute Arbeit“, lobt Steubing und ist sich sicher, dass die Möbel aus Massivholz etliche Jahrzehnte halten werden.

Chefsache war die Anfertigung und Anbringung der hölzernen Akustikdecke im Besucher*innenraum. Die sorgt für deutlich mehr Ruhe. „Wenn sich früher mehr als vier Gäste unterhalten haben, musste man sich schon anschreien“, beschreibt die Einrichtungsleiterin. Hohe Räume und wenig Mobiliar waren dafür verantwortlich. Dank der neuen Decke gehört der teils enorme Lärmpegel nun der Vergangenheit an.

Einrichtung positiv präsentieren

Das freut auch Michi. Er ist Stammgast in der Bahnhofsmission und bestätigt: „Das ist wirklich alles sehr schön geworden.“ Neben ihm sitzt ein Herr, der sich aufmerksam der Tageszeitung widmet. Moderne LED-Deckenspots spenden ihm dabei großzügig Licht, sodass er selbst kleinste Lokalmeldungen nicht überliest. Auch die Ehrenamtlichen der Bahnhofsmission schätzen die hellen und freundlichen Räume – ein echter Motivationsschub für ihre wichtige Arbeit.

Die Renovierungsarbeiten waren laut Steubing dringend notwendig. Beispielhaft beschreibt sie den Zustand der Stühle und Tische im Gastraum: „Die waren komplett abgenutzt und lösten sich schon fast auf.“ Am schlimmsten sei jedoch das Raumklima gewesen. „Muffig wie in einem feuchten Keller“ habe es manchmal gerochen. Für Steubing ein unhaltbarer Zustand. Schließlich möchte sie die Einrichtung am Erlanger Hauptbahnhof positiv präsentieren. „Das ist nicht nur für unsere Gäste wichtig, sondern auch für potenzielle Ehrenamtliche, die uns vielleicht unterstützen wollen“, ist sie sich sicher. „Hinzu kommt, dass die Zahl unserer Besucherinnen und Besucher stetig zunimmt, auch aufgrund der Inflation. Wir brauchen deshalb eine Einrichtung, die den Standards des 21. Jahrhunderts entspricht.“

35.000 Euro Gesamtkosten dank großzügiger Unterstützung gestemmt

Umsonst gibt es diese Standards freilich nicht: Um die 35.000 Euro betrugen die Gesamtkosten für die umfassende Renovierung. Ohne Unterstützung geht das nicht – bei allem Augenmaß, das Einrichtungsleiterin Steubing in puncto Sparsamkeit walten ließ. Glücklicherweise kann die Bahnhofsmission auf ihre Unterstützer bauen: Alleine die Firma Siemens spendete 15.000 Euro für die Maßnahmen. Fast 10.000 Euro schoss die Stiftung Obdachlosenhilfe Bayern als Projektförderung zu. Und vom Diakonischen Werk Bayern kamen zusätzlich 5.000 Euro. Wer sich vor Ort ein Bild von der „neuen“ Bahnhofsmission macht, hat keinen Zweifel: Das Geld ist gut angelegt.  

Alexander Reindl


SCHULBANK DRÜCKEN MIT DER TAFEL

Die Tafel Erlangen leistet Bildungsarbeit an Schulen: Das Team der Diakonie-Einrichtung besucht regelmäßig die Klassenzimmer der Region und empfängt Schüler*innen in der Ausgabestelle. So sollen diese für die Themen Armut und Lebensmittelverschwendung sensibilisiert werden.

Eine Frau sortiert Weintrauben bei der Tafel Erlangen.

ZU SCHADE FÜR DIE TONNE

Die Tafel Erlangen leistet auch einen wichtigen Beitrag gegen die Verschwendung von Lebensmitteln.

Die Mitarbeitenden der Tafel Erlangen gehen wieder in die Schule – im wortwörtlichen Sinn! Diesmal streben sie allerdings keinen erfolgreichen Abschluss an, sondern wollen über Armut und Lebensmittelverschwendung aufklären. Bildungsarbeit an der Basis, die laut Juliane Siegel, Assistenz der Teamleitung der Tafel Erlangen, Früchte trägt. Denn: Seit die Tafel intensiv an Schulen ihre Arbeit erläutert, unterstützen Schulen in der Region die Lebensmittelretter*innen regelmäßig mit Spenden. Grundschulen sammeln zum Beispiel zum Erntedankfest, und auch an Nikolaus und Weihnachten darf sich die Tafel über die zuverlässige Hilfe von Schüler*innen der Region freuen.

Die Kinder und Jugendlichen kennen „ihre“ Tafel. Meist gehe dem Schulbesuch der Tafelmitarbeitenden schließlich eine Projektarbeit der Klasse voraus. Die jungen Menschen wissen also, was bei der Tafel geleistet wird – und warum das nötig ist. Laut Siegel zeige dies, dass die Schüler*innen ein Bewusstsein für armutsbetroffene Menschen entwickelt haben.

Zeitaufwendig, aber wichtig

Das Team um Tafelleiter Johannes Sikorski und Juliane Siegel engagiert sich regelmäßig. Es besucht Kirchengemeinden im Stadtgebiet, Schulen und Kindergärten. Sie gehen in die Uni, in den Konfirmanden-Unterricht oder nehmen – wie zuletzt Johannes Sikorski – an einem Seniorenkreis in Baiersdorf teil.

Diese Informationstätigkeit ist zeitaufwendig, aber wichtig, betont Juliane Siegel: „Bildungsarbeit an Schulen macht wirklich Freude. Einfach allein aus der Tatsache heraus, dass diese Termine für die Schülerinnen und Schüler Ausflugscharakter haben. Sie haben an diesem Tag keine Schule oder praxisnahen Unterricht. Da ist schon mal grundsätzlich ein Kanal offen. Die gesamte Thematik ist spannend, nämlich konfrontiert zu sein mit Armut, aber auch mit Lebensmittelrettung. Und damit etwas fürs Klima tun. Das sind Bereiche, für die sich auch die Lehrerinnen und Lehrer oft bewusst Zeit nehmen und sich persönlich engagieren.“

„Projekt- statt Schulmodus“

In Dechsendorf zum Beispiel gibt es den „Freiday“, an dem wechselnde Projektarbeiten stattfinden. „Das ist Schule im Projekt- statt im Schulmodus“, beschreibt Siegel. „Hier hat eine Lehrerin die Initiative angeschoben und mittlerweile engagiert sich nicht nur eine Schulklasse, sondern die ganze Schule für die Tafel.“

„Wenn wir Spenden in Grundschulen abholen, koppeln wir das an eine kleine Infoveranstaltung, bei der wir erklären, wer wir sind, was wir tun und wie viele Spenden wir pro Woche einsammeln. Die Kids dürfen dann ihre Spenden in unseren Transporter laden, was immer begeistert angenommen wird“, beschreibt die stellvertretende Leiterin.

Elefanten in der Tafel?

In Grundschulen arbeitet Juliane Siegel vorzugsweise relativ frei, um individuell auf die Wünsche und Fragen der Schüler*innen eingehen zu können. Dabei steht stets der praktische Bezug im Mittelpunkt. Es reiche, einen Trolley mit einigen Lebensmitteln dabeizuhaben, auf denen ein Haltbarkeitsdatum aufgedruckt ist. „Natürlich haben wir auch Powerpoint-Präsentationen, aber in dieser Altersgruppe braucht es das nicht. Da gehe ich lieber individuell auf die Kinder ein.“

Zahlen kindgerecht ins Verhältnis zu setzen, ist Siegel wichtig: „Die meisten haben ja gar keine Vorstellung davon, was eine Tonne Lebensmittel bedeutet. Ich sage dann immer: ‚Ein Elefant wiegt eine Tonne. Ratet mal, wie viele Elefanten wir jede Woche abholen‘?“ Zehn bis zwölf Tonnen seien es regelmäßig, eine erstaunliche Zahl. Auch für die Lehrkräfte: „Sie sind dankbar und happy, dass wir so praxisbezogen und lebensnah agieren.“

Bildungsarbeit leistet die Tafel auch beim Thema Mindesthaltbarkeitsdatum. Viele Schüler*innen sind überrascht, dass Produkte auch nach Ablauf noch vollkommen genießbar sind und oft unnötig weggeworfen werden. So wird eindrücklich bewusst, wie viel Essen verschwendet wird und wie wichtig ein bewussterer Umgang mit Lebensmitteln ist. Nach Schätzungen wandern jährlich mehr als zwölf Millionen Tonnen in den Abfall, circa 60 Prozent stammen aus privaten Haushalten.

Armut, soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz

Die Tafel besucht Bildungseinrichtungen, lädt aber auch in die eigenen Räume in der Schillerstraße ein. Regelmäßig kommen Kurse der Oberstufe, die sich für die Themen „Armut und soziale Gerechtigkeit“ oder auch „Klimaschutz“ engagieren. Dabei entstehen immer wieder  lebendige Gespräche über Armut, Ursachen von Armut und Lebensmittelverschwendung. Diese Bildungsarbeit findet in Kooperation mit der Tagesstätte für Obdachlose „Willi“ statt, deren Besuch mit dem der Tafelräume verbunden wird.

In der Ausgabestelle werden die Besucher*innen Zeuge, wie nicht nur Essen verteilt, sondern eine große logistische Herausforderung gemeistert wird. Schließlich müssen die gespendeten Lebensmittel sorgfältig sortiert und geprüft werden.  Anschließend werden sie an Menschen ausgegeben, die darauf angewiesen sind.

Vom Praktikum zur „Mädelstruppe“

„Wenn die Schulklassen die Tafel-Ausgabestelle in der Schillerstraße besuchen und die Kids sich angeschaut haben, wie wir hier organisiert sind, geht es auch schon mal in die Kühlzellen. Wir lassen die Schülerinnen und Schüler dann schätzen, wie viele Kinder wohl auf einmal dort reinpassen? Das kommt immer gut an. Und wer will, darf dann auch ausprobieren, wie klein und kalt es in so einer Kühlzelle tatsächlich ist“, schildert Siegel.

Bildungsarbeit leistet die Tafel übrigens fast jede Woche auch im Rahmen der Sozialpraktika, die zwischen der siebten und elften Klasse stattfinden. Aus einem solchen Praktikum heraus ist sogar eine ehrenamtliche „Mädelstruppe“ entstanden, das so genannte „Freundinnen-Team“, das inzwischen regelmäßig ehrenamtlich bei der Tafel in der Schillerstraße hilft. Das Engagement der Diakonie-Einrichtung lohnt sich also in vielerlei Hinsicht.

Sabine Weißenborn

zur Tafel Erlangen

Kontakt

Porträtbild von Sabine Stoll
Sabine Stoll Pressesprecherin, Leiterin Unternehmenskommunikation

Raumerstraße 9
91054 Erlangen

(0911) 35 05 – 154

sabine.stoll(at)diakonie-erlangen.de